Wer einmal seinen Pfeil in schnellem Galopp vom Pferd aus dem Ziel entgegenfliegen sah, wer den Wind im Haar spürte, wer das Gefühl des Triumpfs, wenn der Pfeil im Ziel einschlägt, erlebt hat, zugleich die Kraft seine Pferdes unter sich fühlte und einen winzigen Moment das Eins sein mit dem Partner Pferd spürte, der ist für immer verloren. Verloren für die Welt ohne berittenes Bogenschießen, verloren für die Welt ohne Pferde, Bögen und ohne Gleichgesinnte. | Buchprojekt "Horses at War - Pferde im Krieg" Zur Zeit
recherchiere ich im Rahmen eines Buchprojektes rund ums Thema
Pferde im Krieg. Gesucht werden Berichte von Zeitzeugen, die
Erzählenswertes nicht dem Vergessen anheim fallen lassen
wollen. |
Für all diese mit dem Virus berittenes Bogenschießen infizierten und gleichsam inspirierten Menschen ist das Nomadencamp eine Heimat. Und jene, die mit ihrem Pferd in die Welt der Nomaden eintauchen möchten und den faszinierenden Sport berittenes Bogenschießen kennenlernen wollen, sind herzlich willkommen.
Traditionelles Bogenschießen wird mit einfachem Gerät, dem Bogen ohne Visier und Pfeilauflage, ausgeübt. Anstelle von Hilfsmitteln verlässt man sich auf seine natürlichen und durch Übung verfeinerten Fähigkeiten. Traditionelles Bogenschießen ist ein naturverbundener Sport, aber auch eine Möglichkeit der Selbsterfahrung und ein wunderbares Hobby. Fast archaische Instinkte werden in uns geweckt, wenn das leise Ploppen der Sehne uns mitteilt, dass sich der Pfeil auf seiner Reise ins Ziel befindet. Ohne Pferde wäre die Menschheit heute nicht so fortgeschritten, wie sie ist. Ob in Frieden oder Krieg, das Pferd war stets Wegbegleiter des Menschen, braves Reitpferd, Zugtier für schwerste Lasten und einziges Transportmittel bei der Erforschung unwegsamer Regionen. Für die Nomaden östlicher Steppen war die Kombination aus Reiterei und der Kunst des Bogenschießens, das Bogenschießen zu Pferd, eine Erfindung, die wilde Horden in die Lage versetzte, einen ganzen Kontinent zu beherrschen und in Angst und Schrecken zu versetzen. Für sie war - weit mehr als für unsere westeuropäischen Ahnen - das Pferd Lebensmittelpunkt: als Reittier, Statussymbol, Kriegsmittel und am Ende des gemeinsamen Weges auch als Nahrungsmittel. Ohne den Druck östlicher Völker auf das Europa der frühen Völkerwanderungszeit würde die Landkarte heute anders aussehen, wäre die Geschichte in vielen Aspekten anders verlaufen.
Die Kunst der Nomaden zu Pferd -seien es Skythen, Hunnen, Mongolen, Awaren, Magyaren, Osmanen oder Tataren - kann nicht hoch genug geschätzt werden. Immer war berittenes Bogenschießen eine Kriegskunst, bisweilen diente es daneben auch jagdlichen Zwecken. Und so ist berittenes Bogenschießen auch heute noch eine Kampfkunst, ein Sport, der neben der Beherrschung des Bogens und des Säbels als Beiwaffe des berittenen Kriegers auch gutes Reiten (!) verlangt. Und so wie das Pferd der beste Lehrer des Reiters ist, ist der Weg des Bogens ein Weg der Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung. Wer als Einsteiger schnelle Erfolge auf Wettkämpfen sucht, der ist hier ebenso falsch am Platz wie der Reiter, für den das Pferd lediglich ein Transportmittel ist, von dem aus man eben mal mit dem Bogen schießt. Wer sich ernsthaft mit der Passion berittenes Bogenschießen beschäftigt, für den wird Zeit keine Rolle spielen. Wer den einen perfekten Pfeil, geschossen im rasenden Galopp, je hat präzise ins Ziel fliegen sehen, auf seinem zügellos sicher an den Hilfen stehenden kraftvollen Pferd, den Moment des Triumphs auskostend, der wird dieses Gefühl immer wieder erleben wollen.